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„Nicht alles ist Friede,
Freude, Eierkuchen“
Von Christian Meyer
Sie sind gut in die Saison gestartet, die Bezirksoberliga-Fußballer
des TSV Edemissen. Doch nach zunächst drei Siegen
gab es bis zur Winterpause keinen einzigen mehr. Folglich
rutschte der Aufsteiger auf einen Abstiegsplatz ab.
Zuletzt in der Halle jedoch lief es besser für
den TSV: Im Dezember sicherte er sich bei seinem eigenen
Turnier Platz zwei, und am vergangenen Sonntag gewann
das Team von Christian Gleich gar den PAZ-Cup. Über
diesen Erfolg und die weiteren Perspektiven der Edemissener
sprach die PAZ mit dem Trainer.
Herr Gleich, wie fühlt man sich als Hallenkreismeister?
Der PAZ-Cup hatte mir noch gefehlt. Leider konnte ich
den Triumph gar nicht so richtig genießen, weil
ich noch von einem Grippevirus geschwächt war.
Aber es wird sicherlich noch eine Gelegenheit zum Feiern
geben. Der Titelgewinn war umso schöner, weil wir
uns in diesem Jahr kaum eine Chance ausgerechnet hatten.
Und dann schon im Halbfinale gegen den Topfavoriten
Lengede. Da hatte ich wenn auch später unbegründet
Magenschmerzen, aber wir haben unser absolut bestes
Hallenspiel abgeliefert.
Am 17. Januar fahren Sie mit Ihrer Mannschaft
für vier Tage ins Trainingslager nach Verden. Was
erwartet die Spieler?
Als Jugendtrainer war ich ja mehr der Quälix. Aber
auch ich habe mich gewandelt. Wir werden morgens Waldläufe
machen und temporär an Schnelligkeit und Ausdauer
arbeiten. Aber gut dosiert, ansonsten sind die Spieler
zu anfällig für Bänderverletzungen wegen
Überlastung. Vorrangig werden wir Individual-,
Gruppen- und Mannschaftstaktik sowie ballorientiertes
Verteidigen behandeln. Zum Rahmenprogramm gehört
Schwimmen, Sauna, Entspannungsübungen und ein Taktiktest.
Die Taktiktafel ist natürlich immer dabei.
Welche Spieler sind denn mit dabei? Es heißt,
Edemissen hat einige Abgänge zu verkraften.
Als Abgänge würde ich Sven Siedentop, Timm
Meyer und Nils Gabriel bezeichnen. Sven Siedentop ist
bedauerlicherweise nach Broistedt gewechselt. Er fühlte
sich von mir nicht gerecht behandelt. Ein weiterer echter
Abgang ist Timm Meyer, der wegen einer neuen Arbeitsstelle
und seiner Freundin nach Hamburg zieht und dort auch
Fußball spielen will. Nils Gabriel hat seinen
Pass zwar noch bei uns, will aber wegen seiner Ausbildung
in Braunschweig kürzer treten. Mit Sven Sobert
und André Jung stehen mir zwei Spieler nur bedingt
zur Verfügung. Sven hat eine Arbeitsstelle in Siegen
gefunden, stellt sich der 1. Herren aber für den
Notfall noch zur Verfügung. Gleiches gilt für
André Jung. Er wohnt und arbeitet in Berlin.
Die Anzahl der Abgänge verwundert. Spielen
finanzielle Dinge eine Rolle?
Dazu kann ich nichts sagen. Um die Finanzen kümmert
sich unser Fußball-Abteilungsleiter Frank Rieger.
Die Abgänge begründe ich mit beruflichen Zwängen
und dafür habe ich auch Verständnis.
Welcher Abgang schmerzt Sie am meisten?
Im Prinzip alle, weil sie bei uns Leistungsträger
waren. Sven Siedentop als Konterstürmer, Timm Meyer
als Allrounder, Nils Gabriel als technisch versierter
Linksfuß.
Hat sich die Eintracht um Neuzugänge in der Winterpause
gekümmert?
Ja, wir haben mit Stand heute zwei Neuzugänge mit
Dennis Peter aus Vöhrum und Vedat Demir, Bruder
von Ugur, aus Bockenem. Dennis ist ein vielfach unterschätzter
Spieler, für mich war er bei Marathon der Schlüsselspieler
schlechthin durch tolles Passspiel und erstklassige
Standards. Vedat ist technisch stark, vielseitig einsetzbar
und endlich wieder ein starker Linksfuß. Weiterhin
wird Irhad Alic zur Rückserie wieder angreifen
und die beiden Erich-Zwillinge sind immer mehr als eine
Alternative.
Es gibt mindestens fünf Absteiger aus
der Bezirksoberliga, wahrscheinlich sogar sechs. Warum
steigt Edemissen nicht ab?
Weil wir den Schwung aus den Hallenturnieren mitnehmen
und inzwischen an den ominösen Wahrsager glauben,
der uns den PAZ-Cup-Sieg und den Nichtabstieg vorhergesagt
hat. Taktisch werde ich jedenfalls nicht mehr so viel
herumprobieren.
Heißt das, Sie haben als Trainer Fehler
gemacht?
Ja. Im taktischen Bereich habe ich einfach zu schnell
die Nerven verloren. Auch ich lerne in meiner ersten
Bezirksoberliga-Saison dazu. Ich habe erkannt, dass
die ständigen Veränderungen nicht dazu beigetragen
haben, dass Sicherheit in der Mannschaft aufkommt. In
der Rückrunde werden wir erheblich defensiver stehen
und unsere taktische Grundordnung auch im Falle weiterer
Niederlagen durchziehen.
Ist die Saison in der Bezirksoberliga bisher
die schwierigste in Ihrer Trainerlaufbahn?
Auf jeden Fall. Ich bin jetzt in meinem siebten Jahr
als Herrentrainer. Von der 1. Kreisklasse bin ich fast
durchgängig bis in die Bezirksoberliga aufgestiegen
und habe eigentlich jetzt mit dem PAZ-Cup alle wichtigen
Titel im Kreis Peine geholt. Nun muss ich feststellen:
Auch beim Trainer Christian Gleich ist nicht alles Friede,
Freude, Eierkuchen. Die Situation ist schwierig, wir
und ich natürlich auch haben uns von dem guten
Saisonstart blenden lassen. Aber ich schmeiße
deshalb nicht gleich das Handtuch. Weiterhin habe ich
die Hoffnung, dass Spieler wie Thorsten Ziehme und Artan
Qollakaj, im Aufstiegsjahr absolute Schlüsselspieler,
zur Rückserie wieder fit werden. Thorsten hat nur
die 5 erfolgreichen Spiele beim Saisonstart mitgewirkt
und ist anschließend mit Leistenproblemen ausgefallen,
Artan hat sich beim PAZ-Cup am zuvor schon verletzten
Knie einen Innenbandanriss geholt. Mal abwarten, wie
das ausgeht.
Sie haben Ihren Vertrag sogar verlängert.
Richtig. Damit wollte ich ein Zeichen an die Mannschaft
setzen. Außerdem haben nicht viele Vereine so
viel Substanz wie Edemissen. Das Umfeld ist genial,
es macht Spaß, bei der Eintracht zu arbeiten.
Außerdem werde ich erstklassig von Rudi Hinzmann
als Betreuer, Frank Mennecke als Co-Trainer, Frank Rieger
als Fußballabteilungsleiter, Helmut Kaub als Trainer
der 2. Herren und dem Vorstand unterstützt.
Das hört sich nach Konstanz an.
Ich war fünf Jahre Jugendtrainer bei Marathon und
habe danach genauso lange die Herren trainiert. Nun
bin ich schon im zweiten Jahr in Edemissen und mittlerweile
sehr verwachsen im Verein. Ich kümmere mich um
die Homepage und das Stadionheft.
Aber reizt Sie nicht eine noch höhere
Liga?
Da sollte man schon auf dem Teppich bleiben. Einen Niedersachsenligisten
zu trainieren, wäre schon ein Traum, aber im Landkreis
Peine vermutlich kaum realisierbar. Dazu muss man sich
über Aufwand, räumliche Entfernung und Zeitfaktor
im Klaren sein. Jetzt will ich erstmal mit Edemissen
den Abstieg verhindern. Und falls er doch nicht abzuwenden
ist, zumindest sofort wieder in die Bezirksoberliga
aufsteigen. Denn da gehört der Verein einfach hin.
Christian Gleich ist im zweiten Jahr Trainer beim TSV
Edemissen. Der 41-jährige Polizeibeamte ist verheiratet
mit der Tischtennis-Spielerin Katja Gleich (MTV Duttenstedt),
beide haben eine Tochter – Pascale Marie ist 8
Jahre alt.
Quelle PAZ-online

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